letzte Vorbereitungen für den Indischen Ozean

Nach 4 Wochen Arbeit ist die SHE SAN so gut wie seeklar, doch der Wind ist erstmal so gut wie weg. Wir reservieren einen Termin in der Marina in Penang, um dort unseren Anker und Kette galvanisieren zu lassen, eine Arbeit, die wir vor 2 Jahren bereits vereinbart hatten, doch dann wegen Covid nicht machen konnten. Wir sehen den Nutzen ausser in der Rettung unserer Kette auch darin, dass ein Seetrial von einem Tag sowohl Crew, Segel und Motor sicherlich nicht schadet.

Mühsames Ausklarieren in Langkawi

Ausserdem ist immer noch unklar, ob wir mit der Notiz „Langkawi Travel Bubble“ im Pass, mussten wir doch bei de Einreise ein Ausreiseticket vorweisen, überhaupt in Langkawi mit dem Schiff ausreisen dürfen. Also mieten wir ein letztes Mal ein Auto um CHF 10.-/Tag, machen die letzten Einkäufe (vor allem Schokolade und Alkohol, der hier zollfrei sind) und checken aus. Sollte doch innerhalb Malaysiers kein Problem sein, denken wir, auch war der Check in/Check out früher hier immer ziemlich unkompliziert. Ja, denkste! Der Prozess ist genau der gleiche wie bei einem Check out nach Thailand, einzig, dass wir keinen Stempel in den Pass, sondern einen verschlossenen Brief für die Einwanderung in Penang bekommen. Und diesen zu bekommen ist mehr wie mühsam. Der Chef der Immigration telefoniert nämlich vorsichtshalber mit dem Health Officer und der entscheidet, dass wir, da wir mit der Travel Bubble eingereist sein, nun auch einen PCR Test brauchen zur Ausreise nach Penang. Zum Glück haben wir einen solchen noch in unserem Einreisepacket gekauft, wir telefonieren mit Rusli, Rusli spricht in Malay mit dem Beamten, wir betteln den Beamten an, dass er uns doch bitte auscheckt, wenn wir ihm versprechen, Langkawi erst zu verlassen, wenn wir das negative Testresultat erhalten und es an ihn per Whatsapp weitergesendet haben… Was für ein Zirkus und das einen Monat nach unserer Einreise hier zusammen mit den 9 Tests die wir dort machen mussten…
Also warten wir erst Mal auf das Testresultat, bevor wir uns schweren Herzens von unseren Freunden verabschieden, ein letztes Mal im Pool schwimmen und die Leinen los machen in der Rebak Marina.

Auf nach Penang

Bei wenig Wind motoren wir durch die Inselwelt in Langkawi’s Süden und werfen in der südlichsten Bucht den Anker für die Nacht. Einsam in einer Bucht vor Anker, was für ein herrliches Gefühl. Sofort packe ich das Paddelboard aus und umrunde die uns umgebenden Inseln. Mit dem letzten Mondschein tasten wir uns am nächsten Morgen aus der Bucht (wir hatten am Vortag schon mal vorsichtshalber einen Track gelegt) und erleben unseren ersten Sonnenaufgang unterwegs seit langer Zeit. Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt, der Wind transportiert uns bis 10 Meilen vor Penang, der Rest dient dem Motorentest.

Felsen in der Bucht von Langkawi
Felsen in der Bucht von Langkawi
Der gesunkene Viermaster in der Bucht im Süden von Langkawi
Der erste Sonnenaufgang auf hoher See
Der erste Sonnenaufgang auf hoher See
Skiline von Penang bei Anfahrt SHE SAN mit Winschen im Bild
Skiline von Penang

Umsonst und wieder umsonst

Die Grossstadtmarina gefällt uns nur mässig, die Restaurants sind auf Europäischen Preisniveau, natürlich macht ein jeder Livemusik und versucht den Nachbarn zu übertönen, für unsere an Ruhe gewohnten Ohren ein ziemlicher Stressfaktor. Doch wir sind ja schliesslich nicht zum Spass da. Die Sekretärin im Marina Büro ermahnt uns sofort online beim Hafenmeister einzuchecken und so bald wie möglich zur Immigration ins Zentrum zu fahren. Sie gibt uns eine Adresse an, die mir vom ersten Besuch her bekannt ist, am nächsten Morgen sitzen wir im Grab Taxi, das uns dort hinbringen soll. Doch der Taxifahrer fährt uns zu dem grossen Komatargebäude, offensichtlich ist dort auch eine Immigration und Reto hat die falsche auf Grab ausgewählt? Zehn Minuten später stehen wir mit dem Taxi vor der Adresse der Tante aus der Marina. Das Gebäude sieht ziemlich geschlossen aus. Die militärisch gekleidete Wachfrau erklärt mir auch prompt, dass das Gebäude, auf dem gross „Imigresen“ steht, mittlerweile komplett geschlossen ist, wir aber am Montag zum Komtar Gebäude gehen müssen. Wir entlasten unseren Taxifahrer und ziehen gruselig durch die Strassen bis nach Little India. Mein erklärtes Ziel ist es wenigstens gutes indisches Essen aufzutreiben. Doch es ist zu früh, wir kaufen ein paar frittierte Teilchen, die zwar fein sind, unsere Mägen aber für den Rest des Tages gefüllt halten… Immerhin kommt am Nachmittag Mr. Goh von Steelway und holt unsere Kette und unseren Anker ab, also das läuft wenigstens.

Am Montag geht der Einwanderungstürk weiter. Wir fahren diesmal zum Komtar und steigen dort aus, kämpfen uns durch bis zur „Imigresen“ im 2 Stock irgendwo, werden dort verwiesen auf eine andere Stelle, wo sie uns fassungslos anstarren und erst mal telefonieren müssen. Dann schicken sie uns wieder zum alten Ort zurück, diesmal immerhin bewaffnet mir einer Telefonnummer. Wir steigen wieder an der gleichen Stelle wie zwei Tage zuvor aus, und suchen verzweifelt jemand, der uns weiterhilft. Der Wachmann des Fährterminals ein paar hundert Meter weiter erbarmt sich. „Vielleicht könnt ihr es ja dort drinnen versuchen, dort ist auch eine Einwanderungsbehörde.“ Verzweifelt suchen wir das verlassene Fährterminal ab und tatsächlich, wir sind am richtigen Ort. Ein Beamter nimmt uns freundlich unseren versiegelten Brief aus Langkawi ab, sagt, dass wir damit fertig sind und frägt natürlich nicht nach einem PCR Test. Ausserdem versichert er uns, dass wir für unsere internationale Ausreise nur kurz vorher zum Zoll müssen, dann zu ihnen und unsere Ausreisestempel rund um die Uhr 24 h bekommen können.

Endspurt

Dann wird es nochmal ziemlich stressig. Am Dienstag morgen wache ich auf und stelle mit Erschrecken fest, dass ich aussehe wie ein Zombie. Meine beiden Augen sind geschwollen wie nach einem Wespenstich, ich sehe so gerade Mal noch raus, die Stirn und Augenpartie ist voller Pickel, die sich stündlich weiter verbreiten – ich bin verzweifelt.

Reto wechselt „kurz“ die Impeller und sein ungutes Gefühl bewahrheitet sich. Der Impeller vom Steuerbord Motor hat tatsächlich schon einen ersten Riss und lässt sich wie immer, da fast nicht zugänglich, nur verschissen aus- und auch wieder einbauen. Beim Backbordmotor ist es noch schlimmer: ein drittel der Flügel haben sich bereits in den Wärmetauscher verabschiedet, ein Wunder, dass immer noch so viel Wasser gekommen ist. Also noch eine ungeplante Wärmetauscherreinigung mit dazu. Eingeklemmt neben dem Motor flucht Reto bis der neue Impeller endlich wieder an seinem Ort sitzt und ist anschliessend nudelfertig. Dann ist es auch schon nachmittags 15 Uhr.

Ich habe in der Zwischenzeit einen Chinesen ausfindig gemacht, der uns zusichert, die nötigen Ersatzteile für unseren kaputten chinesischen Generator bei sich zu haben. Also laden wir den Geni in ein Grab Taxi, fahren mitten in die Stadt, nur um festzustellen, dass uns der Chinese gar nicht helfen kann, sondern nur einen neuen Geni verkaufen möchte. Wieder 2 Stunden umsonst und das obwohl der Wetterslot und damit der Abfahrtstermin gerade von Samstag auf Donnertag vorrückt.

Letztes Bunkern

Am Mittwoch also erst mal Frischwaren bunkern. Zum Glück haben wir den riesigen Supermarkt in 350 Meter Entfernung gefunden, nachdem die Geiss in der Marina uns zum 1.5 Kilometer entfernten Delikatessenmarkt geschickt hatte. Mein Plan ist gleich in der Früh einzukaufen, dann sollte am wenigsten los sein. Weit gefehlt – wir nähern uns dem Chinesischen neuen Jahr und ähnlich wie bei uns an Weihnachten drehen hier alle durch und kaufen ein als ob es den nächsten Monat nichts mehr gäbe. Bei uns dagegen ist es tatsächlich der letzte Einkauf in 2, 4 oder gar 6-7 Wochen. Wenn der Diesel reicht werden wir bis Suakin im Sudan nur anhalten, wenn es vom Wetter her Sinn macht zu warten.

Mit jeder einem Rucksack und einer Tasche zum Ziehen und ich noch mit 80 Eiern in einer Tragtasche in der Hand machen wir uns auf den Rückweg. Kurz vor dem Schiff kärchert ein Arbeiter den Boden. Ich passe nicht auf, rutsche mit meinen Flipflops aus, verdrehe mir den Knöchel und knalle mitsamt meinen 80 Eiern in der Hand auf den Boden. Ein genervtes „Sch…!“ entfährt mir, ich hocke jammernd am Boden. Zum Glück ist dem Knöchel nichts dauerhaftes passiert, zu Hause auf dem Schiff kontrolliere ich die 80 Eier in heissem Wasser, 10 werden direkt zur Eierspeise, weitere 20 wandern angeschlagen in den Kühlschrank, die anderen 50 dürfen nach dem kurzen Heisswasserbad erst mal in die Schachtel ausserhalb vom Kühlschrank…

Mittags um 13.30 kommt Mr. Tan vom Steelway mit unserer doppelt galvanisierten Kette zurück. Wir markieren die 10 Meter Punkte, Reto macht einen neuen Spleiss ins Befestigungsseil, dann Kette in den Kasten ziehen, Anker befestigen und sichern. Ein Blick auf meine Augensituation lässt uns unschlüssig. Besser ist es bisher keineswegs. Sollen wir nun ausklarieren und riskieren, dass ich doch damit zum Arzt muss?

Nichts ist einfach…

Wir erledigen noch ein paar Punkte auf unserer To Do Liste und entscheiden uns schliesslich doch auszuchecken. Schliesslich hat uns der nette Einwanderungsbeamte vom Montag versichert, dass wir dies 24 Stunden lang können. Anfangen tut alles gut, der Beamte vom Zoll nimmt freundlich unsere Papiere entgegen und macht sich an die Arbeit. Doch dann kommt die Chefin und verlangt einen Ausdruck vom Hafenmeister. Aber den Hafenmeister macht man in Penang selbst online, dort muss man nicht einmal hin. Reto versucht den gewünschten Ausdruck über das Telefon zu öffnen, doch keine Chance. „Wenn ihr um 17 Uhr gekommen wärt, hätte ich euch geholfen, aber jetzt ist es zu spät. Geht morgen zum Hafenmeister am anderen Ende der Stadt und kommt dann wieder“. Genervt ziehen wir in die Stadt und trinken zwei Bier. Selbst am Computer schafft es Reto nicht, den Ausdruck zu generieren.
Also um 7.30 morgens nochmal 30 min mit dem Grab in eine Richtung, die freundliche Dame beim Jabatan Laut macht uns zwei Ausdrucke und 20 min zurück bis ins Zentrum zur Dame vom Zoll. Dort wird uns klar, was das Theater sollte: sie muss ihrem Chef zeigen, wie toll sie das alles im Griff hat und der war halt nach 17 Uhr nicht mehr da… Kurz darauf bei der Einwanderung kümmern sich 5 freundliche Beamte und Innen um das Stempeln unserer Pässe. Als der ersehnte Stempel schon im Pass ist, diskutieren die Herren dann noch eine Weile lang, ob wir denn nicht für die Einreise im 4 Wochen entfernten Djbouti einen PCR Test zum Check Out vorweisen müssten, wir versichern Ihnen, dass dieser bei Ankunft gemacht wird. Ein Stein fällt uns vom Herzen, als sie dies schliesslich akzeptieren und uns die Pässe aushändigen. Denn wir sind die ersten, die mit der „Langkawi Travel Bubbel“ im Pass ausreisen, doch dafür scheint sich hier in Penang zum Glück niemand zu interessieren.

Vorhergehender Beitrag:

Nachfolgender Beitrag:

Teile uns auf:

8 Gedanken zu „letzte Vorbereitungen für den Indischen Ozean“

  1. Elende Bürokratie zu Lande!!
    Ich denk mal, auf dem Wasser wird das Leben diesbezüglich erheblich einfacher….
    Weiter Gute Reise, freue mich, auf diese Art ein wenig mitreisen zu können

    herzlich Eva

    Antworten
  2. Eure Nerven möchte ich haben! wünsche euch weiterhin soviel Langmut, Kraft u Gottvertrauen u das nötige Quentchen Glück!

    Antworten
  3. Was für ein Trouble, gut dass ihr das hinter euch habt. Bei dem Stress wundert es mich nicht, dass du Pusteln bekommen hast.
    Weiterhin alles Gute und Toi toi toi!

    Antworten

Schreibe einen Kommentar