12 Tipps zur Schiffsvorbereitung bei längerer Abwesenheit

was war gut – was war schlecht an unserer Schiffsvorbereitung?

Als wir die SHE SAN für 2 Monate verlassen hatten, wollte ich einen Blog schreiben über die Art und Weise, wie wir sie für die Abwesenheit „konserviert“ hatten. Doch dann musste ich mir eingestehen, dass ich ja erst das Resultat abwarten muss, um zu beurteilen, ob unsere Methode tatsächlich Sinn macht oder nicht.

Hier also der Reihe nach, was wir jetzt bei unserer Rückkehr fanden, was gut oder eben auch schlecht war:

1. Klimaanlage zur Entfeuchtung >> Innenräume frei von Schimmel

Wir hatten kurz vor der Abreise eine kleine Klimaanlage gekauft und mit einem Timer ein paar Stunden am Tag laufen lassen. Das Schiff war wohl auf unserer Reise noch nie so trocken gewesen, es hat nichts geschimmelt, die Kleider kann man direkt wieder anziehen, nichts muffelt.

Die Polsterüberzüge hatte ich vor der Abreise alle frisch gewaschen, so war die SHE SAN gerade wieder bewohnbar.

2. Lithiumbatterien komplett getrennt >> Batterien wie neu

Reto hat als eine der letzten Aktionen unser Bordnetz nicht nur abgestellt sondern die neuen Lithiumbatterien komplett von der Last und von der Ladung getrennt (Kabelschuhe abgeschraubt und mit Isolierband umwickelt).

Warum? Lithiumbatterien haben es nicht so gerne, wenn sie dauerhaft voll geladen sind.

Wichtig: auch die kleinen Stromkonsumenten wie z.B. der Batteriemonitor dabei nicht vergessen.

Resultat: Wir haben die Batterien vorgefunden, wie wir sie verlassen hatten, der Ladezustand war praktisch unverändert auf 67%.

Achtung! Bei herkömmlichen Bleibatterien ist es besser, die Verbraucher zwar abzuhängen/abzuschalten, aber über die Solarpanele und den MPPT Regler die Batterien mit Erhaltungsladung zu füttern und so voll geladen zu lagern. Nach 18 Monaten nur mit Erhaltungsladung ist das jedoch auch keine Garantie dass die Batterien überleben. So gesehen auf der Yacht eines befreundeten Seglers.

3. Starterbatterien laden und voll geladen stehen lassen >> beide Batterien tot

Das hat nun gar nicht funktioniert. Beide Starterbatterien (3 und 6 jährig) waren nach Ankunft hinüber und haben sich leicht aufgebläht. Anstatt sie ohne Ladung stehen zu lassen, wäre besser gewesen, sie mit einer Erhaltungsladung am Leben zu erhalten, was jedoch auch nicht unbedingt geholfen hätte (siehe voriger Abschnitt). Immerhin, Starterbatterien sind einfach zu ersetzen, wir haben im nächsten Autoladen um CHF 80.- pro Stück gerade zwei neue Auto Starterbatterien abgeholt.

4. Saildrives mit Propeller mit Plastiksäcken umwickelt >> kaum Bewuchs, Propeller drehen problemlos

Dank 2 Lagen Plastiksack mit Kabelbindern befestigt war der Muschelbewuchs an den Saildrives und Propellern innerhalb von kurzer Zeit wieder entfernt, die Propeller drehen ohne Probleme. In Neuseeland hatten wir schon nur nach 5 Monaten im Hafenbecken von Whangarei auf der Fahrt in den Boatyard mit 2 Motoren noch ca. 2.5 Knoten gemacht (normal 6 Knoten…). Wir haben Müllsäcke benutzt. Ein stärkerer Plastiksack wäre besser gewesen.

5. An Deck

Die Segel im Schwimmer zu verstauen war sicher sehr schlau, doch die meisten Seile und Schoten haben wir an Deck gelassen, dort sind sie grösstenteils verschimmelt. Ein nächstes Mal würden wir erstens was geht vor der Sonne schützen und alles entfernen, was einfach geht.

Die Löcher im Mast mit Plastiksäcken zu verschliessen, damit keine Vögel darin nisten können, hat vielleicht eine gewisse Zeit funktioniert, doch als wir ankamen, waren die Plastiksäcke bis auf ein paar Überreste zerfetzt, und sind vermutlich im Meer gelandet. Allerdings hatten wir nur ein verlassenes Vogelnest auf dem Radar.

Ausserdem würden wir nächstes Mal die Seiltrommel von der Rollfock abdecken, die Sonne hat das obere Dichtungslager aufgefressen, wodurch die Kugellager wieder kaputt gingen.

6. Motoren ohne Konservierung zurück lassen

Da wir ja der Meinung waren, nach 2 Monaten wieder zurück zu kommen, haben wir die Motoren ohne Konservierung zurückgelassen.

Es wird eigentlich empfohlen, den Salzwasserbereich mit Süsswasser zu spülen, um einer Korrosion vorzubeugen und den Auspuffschlauch abzuhängen, damit der Bereich belüftet ist. Wir haben wie gesagt dies nicht gemacht, es ist so wie es aussieht nichts passiert.

Auch haben wir darauf verzichtet, Rachel zu bitten die Motoren anzulassen, denn Experten haben uns versichert, dass ein kurzes Laufen ohne Last sowieso nicht viel bringt. Zudem war ja der Bordstrom abgestellt und die Props mit Säcken zu gepackt.

Als also Strom wieder dran war und Props frei kam der spannende Moment: der Steuerbordmotor sprang unmittelbar an, wie wenn er gestern das letzte Mal gelaufen wäre.

Der Backbordmotor leider nicht, dort ging Reto erst mal 1.5 Tage auf die Fehlersuche mit dem Multimeter und hat schliesslich in dem dicken Kabelstrang vom Anlasser ein komplett pulverisiertes Kabel gefunden… Nachdem er dieses Kabel ersetzt hat, sprang auch der Backbordmotor astrein an ;-).

7. Wassermacher Membran konserviert

Wie schon bei den letzten längeren Stillständen des Wassermachers haben wir auch diesmal zunächst den Wassermacher mit dem Konservierungsmittel 10 Minuten lang im Kreislauf laufen lassen. Da aber beim letzten Mal in Neuseeland unsere Pumpe – ein Hochdruckreiniger in unserem Self made Wassermacher – die Konservierung nicht überlebt hat, haben wir diesmal im Anschluss an den Kreislauf den Hochdruckteil abgesperrt und unter dem Konservierungsmittel stehen lassen. Die Pumpe dagegen haben wir mit Süsswasser gespült und geleert und leer stehen lassen.

Bei der Wiederinbetriebnahme hat diesmal alles gut funktioniert, die Membrane entsalzt wie bisher ihre ca. 75 l/h.

8. Dinghymotor Vergaser leerfahren

Beim letzten Mal Benützen hat Reto die Benzinzufuhr abgehängt und den Vergaser leergefahren. Jetzt hat er lediglich wieder Benzin reingelassen, der Motor hat sofort wieder gestartet.

9. Lebensmittel an Bord lassen

Schiffsvorbereitung Abwesenheit was war schlecht

Da wir ja wie gesagt nur 2 Monate weg sein wollten, habe ich die Lebensmittel einfach an Bord gelassen. Eine interessante Erfahrung. Natürlich hat es ein paar der älteren Dosen verjagt, das Resultat war eine schwarze festgeklebte Masse. Zwei Drittel der Vorräte musste ich entsorgen, schade darum, die hätte ich lieber verschenkt.

10. Kakerlaken Gift streuen

Schiffsvorbereitung Abwesenheit was war gut

In der Eile habe ich in der Küche einfach in ein paar Kästchen Borax verstreut, das wirkt als Kontaktgift für Kakerlaken. Beim Durchreinigen der Küchenkästchen habe ich jetzt eine tote Kakerlake entdeckt. Nun kann sein, dass nur diese eine den Weg ins Schiff gefunden hat (wir haben so gut wie möglich alle Zugänge nach innen verschlossen), in jedem Fall hat sie sich nicht vermehrt.

11. Wassertank mit Javellwasser (Chlorix) versetzt stehen lassen

Das war eigentlich der Plan vor der Abreise, doch hab ich es am Ende nicht mehr gemacht und den Tank nur fast leer stehen lassen.
Geruch und Geschmack dieses Wassers waren bei Ankunft in Ordnung. Sicherheitshalber habe dann doch nochmal grosszügig Javellwasser in den Frischwassertank eingefüllt, etwas entleert, damit die Mischung im Schlauch und den Filtern/Druckbehälter ankommt und einen Tag stehen lassen, danach Wasser eingefüllt und es zunächst Mal zum Putzen verwendet. Das Wasser riecht und schmeckt in Ordnung, also scheint der Tank ok zu sein.

12. Care taking durch kompetente Person

Schiffsvorbereitung Abwesenheit was war gut

Last but not least: Zusätzlich zu all den Massnahmen sind wir sehr froh, dass Rachel Roberts, die selbst schon seit 30 Jahren auf dem Segelschiff lebt, unsere SHE SAN in unser Abwesenheit betreut hat und wöchentlich auch einen Blick ins Innere getan hat.

Das würden wir jederzeit sofort wieder so machen. Eine andere Schweizer Yacht hat zur gleichen Zeit nach ihrer Rückkehr das ganze Schiff verschimmelt und kaputt aufgefunden, da ein Fenster nicht dicht war und die beauftragte Boat Care nur von aussen nach dem rechten gesehen hat.

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10 Gedanken zu „12 Tipps zur Schiffsvorbereitung bei längerer Abwesenheit“

  1. Liebe Angela und Reto

    Was für ein toller Bericht, da kann man viel lernen von Eurer Erfahrung. Bin froh für Euch, dass die Schäden sich in Grenzen halten🍀👍. Wir wünschen Euch einen guten Dtart in den indischen Ozean und immer ne Handbreite Wasser unter dem Kiel.
    Liebi Grüess Conny & Stéphi😘

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  2. Hello Angie, hallo Reto,
    Quelle joie de vous savoir à nouveau en voyage et de retrouver vos super intéressants articles.
    Bravo pour tous les travaux de prévention qui ont portés leurs fruits et quel plaisir vous avez dû avoir de retrouver votre She-San en parfait état.
    Nous vous souhaitons maintenant de belles navigations et une agréable traversée de l’océan Indien.
    Avez vous déjà un plan pour les prochaines destinations ?
    Nous sommes actuellement à Oslo avec notre Azalaï.
    Nous passons quelques jours chez des amis avant de monter vers les îles Lofoten et Tromsø avec l’objectif de voir les aurores boréales.
    On vous embrasse tous les deux.
    Milke

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  3. Sehr interessanter Bericht!
    Es ist so wichtig, jemanden vor Ort zu haben, der nach dem Rechten auch innen nachsieht. Unsere Bekannten hatten ihr Boot auf der Azoren Insel Santa Maria stehen und der dortige Ship Yard sollte kontrollieren, ob alles ok ist. Wir stellten dann fest, dass der Luftentfeuchter lediglich brummt, aber nicht mehr entfeuchtet. Es kamen schlicht keine Wassertropfen mehr außenbords aus dem Schlauch. Der LE war kaputt gegangen und wir haben ihn ersetzt. Die Shipyard Leute hatten es nicht bemerkt. Bei der hohen Luftfeuchtigkeit ist ein Entfeuchten im Sommer wie im Winter erforderlich.

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    • Liebe Heidi,
      in der Tat, Rachel, die selbst ihr Leben lang auf dem Schiff lebt, als Caretaker zu haben war siche Gold wert. Und das mit dem Entfeuchten ist in den Tropen tatsächlich der Schlüssel. In den Azoren kenn ich mich zu wenig aus, aber in Malaysien war es wirklich den Aufwand wert. Nur schon wegen den ganzen Schwerwetterklammoten, Rettungswesten, Tauchjackets ect. die sonst innerhalb von wenigen Wochen anfingen zu schimmeln.
      Liebe Grüsse
      Angela

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