Wassermacher Spülen, Konservieren und Reinigen

Nachdem wir in unserem ersten Beitrag zum Thema DIY Wassermacher die einzelnen Bestandteile beschrieben haben und wo man sie beschaffen kann, gehen wir in diesem Beitrag weiter auf spezifische Themen ein, wie die Handhabung bei Stillständen.

Vorspülen des Salzwassers

Auf unserer Weltumsegelung benutzen wir als Energiequelle vor allem die Solarpaneele mit anfangs 450 W und später 660 W und hatten daher vielerorts nicht unbedingt überschüssige Energie zum Wassermachen.

Durch unseren geringen Wasserverbrauch und die Nutzung anderer Wasserquellen wie Auffangen oder von Land in 5 Liter Flaschen holen – siehe unser Beitrag über Wasserversorgung an Bord – lief bei uns der Wassermacher meist nur alle 7-10 Tage.

Bei solchen Stillstandszeiten fängt das Salzwasser in der Leitung an nach Schwefel zu riechen, daher ist ein ausführliches Vorspülen des Salzwassers in der Leitung zu Beginn des Wassermachens sehr sinnvoll.

Der Vorteil ist, dass das schwefelige Wasser so im Nu über Bord geht und nicht noch den Umweg durch die Membran macht. Dadurch belastet es diese nicht. Das Filtrat schmeckt von Beginn an rein und muss nicht erstmal 15-20 Minuten lang „verworfen“ werden.

Vorfilter, Vorlauf Abtrennung und Nachspülen
Blau umrandet der Hahn zum Abtrennen des Vorlaufs

Spülen mit Wassermacherwasser

Die Hochdruckpumpe und die Membrane spülen wir am Ende des Wassermachens jeweils mit 4 Liter Wassermacherwasser. Das ist wichtig, damit keine Keime in der Membrane wachsen können.

Da wir nur den Teil nach den Vorfiltern mit Wassermacherwasser spülen, ist die dafür benötigte Menge mit 4 Litern sehr klein. Ein Vorteil, wenn man bedenkt, dass dieses Wasser ja auch produziert werden muss und so von der tatsächlichen Leistung der erzeugten Menge pro Stunde abgezogen werden muss.

Wassermacher spülen oder konservieren geht bei uns mit Hilfe eines 5 Liter Kanisters mit Einlauf und Auslauf
Wassermacher spülen oder konservieren geht bei uns mit Hilfe eines 5 Liter Kanisters mit Einlauf und Auslauf

Konservieren

Natriumdisulfit

Einige Hersteller vor allem konventioneller Wassermacher empfehlen bei längeren Abwesenheiten den Wassermacher mit 1 %iger Natriumdisulfit (Na₂S₂O₅)

 – Lösung stehen zu lassen. Das kann allerdings manchen Kunststoffen (POM) schaden,

 daher ziehen wir es vor, die Lösung nicht in der Pumpe stehen zu lassen.

Das machen wir, indem wir nach einem Kreislauf von ca. 10 Minuten die Lösung mit Wassermacherwasser bis nach der Pumpe verdrängen, damit nur der Teil der Membran mit der Lösung stehen bleibt.

Natriumdisulfit Konservierung Wassermacher
Mit 50 g Natriumdisulfit auf 5 Liter Wassermacherwasser stellen wir die 1%ige Lösung her, um dem Wassermacher zu konservieren

Das Natriumdisulfit haben wir im Amazon gekauft (Affilate Link), dort ist es ein vielfaches günstiger als bei den Wassermacherlieferanten…

Auch die Waage können wir nur empfehlen: an Land auf 0.1 Gramm genau und auch im Wasser funktioniert sie sehr gut – im Gegensatz zu den normalen digitalen Küchenwaagen, die die Messung über die Füsse machen und die auf dem Wasser ganz und gar nicht funktioneren…

Propylenglykol

Julian von OCEAN Spring Watermakers empfielt Propylenglykol, hier viele weitere Infos auf seinem Blog.
Julian schreibt in seinem Handbuch: „Wichtig! Verwenden Sie ausschließlich unverdünntes Propylenglykol ohne Alkohol. Alkohol führt zur Schädigung der Membran. Für einen mikrobiellen Schutz ist ein
Mischungsverhältnis von mindestens 25 % nötig. 60% Mischverhältnis schütz vor Frost bis ca -27°C. „

Propylenglykol ist etwas teurer als Natriumdisulfit und man braucht je nach Kreislauf mehrere Liter davon, was die Beschaffung und Aufbewahrung etwas umständlicher macht.

Selbst erzeugtes Wassermacherwasser

Bereits seit einiger Zeit verfolgen wir Erfahrungsberichte, dass die Membran nur mit dem selbst erzeugten Wasser des Wassermachers konserviert wird.

Ich kann mir das sehr gut vorstellen, denn während unserer unfreiwilligen Heimatauszeit während Covid hatten wir noch mehrere 5 Liter Flaschen mit unserem Wassermacherwasser als Trinkwasser auf der SHE SAN stehen. Nach 18 Monaten Abwesenheit kehrten wir auf das Schiff zurück und fanden das Wasser in einem tadellosen Zustand vor. Es roch und schmeckte rein, wir tranken es problemlos.

Nach unserem Vortrag über Wasser und Energie an Bord auf dem Seminar von Bobby Schenk bestätigten uns Britta und Michael Adlkofer, dass das Konservieren mit dem selbst erzeugten Wasser gut funktioniert. Hier ihr Erfahrungsbericht:

„In der Tat haben wir unseren EchoTec Wassermacher im Jahr 2005 eingebaut. Zunächst hat er perfekt funktioniert. In Neuseeland haben wir ihn dann im Jahre 2007 das erste mal gepickelt, also mit Chemie für die Liegezeit in Whangarei konserviert. Bei der Abreise im April war das Wasser dann nicht mehr ganz so toll, ein wenig salzig. Das hat sich dann auf der Weiterreise wieder ein wenig verbessert.

Im Jahre 2009 haben wir dann in Marmaris ein großes Refit an der VERA begonnen. Diesmal haben wir den Wassermacher, auf Empfehlung eines Superyachtskippers Baltic 120 („Niemals pickeln! Niemals!) nur einfach mit seinem eigenen Wasser aus dem Tank gespült, erst ohne, dann vorsichtig mit etwas Druck, so daß sauberes Wassermacherwasser auf beiden Seiten der Membran anliegt.
Bei Einwasserung im Jahre 2012 nach drei extrem heißen, staubigen Jahren „on the hard“, funktionierte alles genau wie vorher. Das Wasser war sofort ok, ohne Membranwechsel. Mit derselben Membran haben wir dann noch bis 2016 gearbeitet, also Inbetriebnahme im Juli, mit Eigenwasserspülung eingewintert immer Mitte September…

2016 haben wir in Las Palmas eine neue Membran eingebaut. Seitdem rückspülen wir nur immer dann, wenn wir länger als eine Woche von Bord sind. Das funktioniert bisher immer hervorragend. Auch in diesem Jahr schmeckte das Wasser wieder sehr gut, als wir die VERA im Juni in Raiatea eingewassert haben.
Im Prinzip haben wir also nur ein einziges mal Chemie verwendet, 2007 in Neuseeland, mit schlechten Erfahrungen. Seitdem nicht mehr.“

Vielen Dank an Britta und Michael für Ihre Erfahrungen. Wir werden es ab nächsten Herbst ebenfalls ausprobieren und unsere Erfahrungen dann mit Euch hier teilen.

Reinigung der Membrane – oder besser nicht?

Aus diversen Anleitungen der Hersteller kann man entnehmen, dass eine Reinigung nur bei einer deutlichen Leistungsreduktion sinnvoll ist.

Julian von Ocean Spring Watermakers schreibt in seinem Handbuch über die Reinigung der Membrane:

„Reinigung der Membrane:
Über die Nutzungszeit des Watermaker können sich Ablagerungen in der Membrane bilden, die die Leistung des Systems und die Qualität des Produktwasser beeinflussen.
Die Verwendung eines Membranreiniger kann die Leistungsfähigkeit der Anlage
wiederherstellen.
Indikationen zur Wahl des jeweiligen Reiniger:
Saurer Reiniger zur Entfernung mineralischer Ablagerungen (u.a. Kalk), …
Alkalischer Reiniger zur Entfernung von Biofouling und leichten Ölablagerungen, …

Mischen Sie niemals saure und alkalische Reiniger. Die Produkte sind getrennt zu verwenden.
Bei Unsicherheit, welcher Reiniger anzuwenden ist starten Sie mit dem sauren Reiniger und
verwenden den alkalischen nur sofern der saure Reiniger keine Besserung gebracht hat.

Alkalische Reiniger wirken sich typischerweise negativ auf die Lebensdauer der Membrane
aus – verwenden Sie diese also mit bedacht.

Als wir im 2022 ins Mittelmeer zurück kamen, hatten wir den Eindruck, dass unsere Membrane einen solchen Leistungseinbruch erlitten hat.

EIn grosser Fehler: Dieser vermeindliche „Leistungseinbruch“ war lediglich das Resultat der geringeren Leistung bei dem sehr viel höheren Salzgehalt im Mittelmeer (39’000 ppm im Vergleich zu 33’000 ppm im Pazifik). Bei gleichbleibender Temperatur bewirkt dieser Unterschied eine Verminderung der Leistung um 20 %. Wenn die Temperatur zusätzlich abnimmt, wie es im Frühjahr und im Herbst im Mittelmeer der Fall ist, dann sind die Unterschiede noch grösser!

Aber all das war uns zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst. Wir reingten die Membrane mit erst alkalischen und anschliessend sauren Mitteln. Danach war die erzeugte Wasserqualität so miserabel, dass wir uns eine neue Membrane kaufen mussten. Wir haben die Membrane durch Reinigung zerstört!!

Fazit:
Wie oben schon von Michael Adlkofer bei der Konservierung beschrieben und aus dem Handbuch von Ocean Spring zu entnehmen, ist eine Anwendung von Chemikalien nicht immer positiv für die Membran.

Auch wir haben keine positive Erfahrung mit Reinigungsmitteln gemacht. Wir wissen nicht, ob die Lebensdauer unserer Membran nach 7 Jahren sowieso am Ende gewesen wäre, vermuten aber, dass sie ohne Reinigung noch eingige Jahre gute Dienste geleistet hätte…

Ausblick

In den nächsten Beitrag geht es um die Lebensdauer der Hochdruckreiniger (Kärcher und ähnliche), den Vergleich Hochdruckreiniger gegenüber professioneller Pumpe, den Energieverbrauch im Vergleich mit professionellen Wassermachern und das Fazit unseres Upgrades mit einer zweiten Membrane.

Andere Beiträge zum Thema Wasser:

1 Gedanke zu „Wassermacher Spülen, Konservieren und Reinigen“

  1. Ahoi Angela und Reto
    Ich teile gerne unsere Erfahrungen bezüglich Konservieren. Wenn immer möglich machen wir das mit dem eigenen Wassermacherwasser. Unser System ist so aufgebaut, dass automatisch alle 5 Tage eine Spülung mit Wassermacherwasser aus dem Tank erfolgt. Seit den bald 8 Jahren, in denen wir nun unterwegs sind und dabei all unser Wasser mit dem Wassermacher gemacht haben, haben wir nur einmal gepickelt (mit vom Hersteller gelieferten Natriumdisulfit). Grund war, dass wir das Schiff aus dem Wasser hatten und ich nicht im Yard alle 5 Tage eine Wasserlache produzieren wollte. Resultat: als wir nach 8 Wochen das System wieder in Betrieb genommen haben, war ein Drucksensor defekt. Machen wir nie mehr! Nun sorgen wir dafür, dass vor dem Verlassen des Schiffes genügend Wasser im Tank ist und vertrauen auf die elektronische Steuerung der Spülung. Die ist übrigens so verdrahtet, dass sie auch funktioniert, wenn der Hauptschalter der Service Batterie ausgeschaltet ist.
    Viel Erfolg an eurem Vortrag an der nächsten Bootsschau!
    Pia und Köbi / SY Lupina

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