Wieder zurück auf dem Schiff nach 18 Monaten

Schon fast hatten wir den Glauben verloren, dass wir unsere SHE SAN nochmals wieder sehen. Mitte November kommt erste Hoffnung auf. Am 15. November verkündet die Malaiische Regierung, dass es für die Einreise von Ausländern einen Test geben wird, die sogenannte „Langkawi Travel Bubble“. Doch weiss mehrere Wochen lang niemand, wie das gehen soll.

Dann entdecke ich eines Nachmittags einen Facebookpost in der Marina Facebookgruppe, wo ein Segler, Rusli, dem Manager des Marinaladens dankt, dass er alles so toll organisiert hat und ihn ins Land geholt hat. Prompt schreibe ich Rusli an. Bei ihm ist es schon spät abends, dennoch antwortet er mir geduldig auf meine Fragen. Ein paar Tage später buchen wir einen Flug für den 21.12. und haben alle Hände voll zu tun, um alles bis zur Abreise zu organisieren.

Das Einchecken am Flughafen München ist eine richtige Papierschlacht. Schon in der Warteschlange kontrolliert eine Mitarbeiterin ob wir auch ja alle Anforderungen erfüllen und alle Papiere dabeihaben, dann der ganze Zirkus nochmals am Schalter. Der spannendste Moment ist dann bei Ankunft in Kuala Lumpur, dort werden wir noch vor der Immigration zum Testzentrum eskortiert (obwohl wir ja innerhalb 48 Stunden vor Abreise schon einen negativen Test zum Einchecken benötigt hatten). Mit einem Rachen und einem Nasenabstrich wird nochmals ein PCR Test gemacht, wir warten 1 Stunde auf das Resultat, danach prüft ein Einwanderungsbeamter nochmals alle unsere Papiere und wir werden endlich mit einem blauen Bändchen am Arm ins Land gelassen.

Das blaue Bändchen heisst, dass wir nicht in Quarantäne müssen, wir dürfen uns auf der Insel Langkawi tatsächlich frei bewegen… Das Hotel, das im Packet verpflichtend war, haben wir auf der Insel Rebak gewählt, so können wir die ersten 3 Tage im klimatisierten Hotelbett schlafen und uns langsam auf der SHE SAN wieder einrichten.

Erste Woche an Bord

Als wir auf der Insel von der Fähre steigen, kommen mir die Tränen, wie damals bei der Abreise. 2 Monate wollten wir weg sein, auf den Tag genau waren es 18 Monate…

Doch sie sieht gut aus, nicht nur auf den ersten Blick. Aussen ist sie so sauber wie selten, Rachel hat sie sicher kurz vor unserer Ankunft nochmal waschen lassen, und innen ist alles Tiptop. Die Kosten für die kleine Klimaanlage und die monatlichen CHF 20.- für den Strom haben sich voll rentiert. Natürlich ist es viel Arbeit, alle Technik wieder Stück für Stück in Betrieb zu nehmen. Am meisten ärgert Reto der Backbordmotor, der beim Starten keinen Mucks macht und er erst nach 1.5 Tagen (strukturierter!!) Fehlersuche das einzelne pulverisierte Kupferkabel im grossen Anlasserstrang entdeckt. Weitere 1.5 Tage gehen drauf, den Fehler dauerhaft zu lösen ;-(

das pulverisierte Kupferkabel...
Das war der Übeltäter – das pulverisierte Kupferkabel…

Aber wir können nicht klagen, nach jedem schweisstreibenden Arbeitstag gibt es eine Abkühlung im Pool der Rebak und im Anschluss das ein oder andere Tiger Bierli hinterher ;-).

Zweite Woche an Bord auf dem Trockenen

Nach 7 Tagen und weiteren 7 zum Glück negativen Tests werden wir aus der „Beobachtung“ entlassen, jetzt dürften wir sogar Langkawi verlassen. Wir dagegen gehen am letzen Tag nochmal schön einkaufen, denn die folgende 2. Woche an Bord geht die SHE SAN in den Boatyard. Wieder sind wir sehr überrascht: es hat nur ein paar Muscheln und Schleimflecken am Rumpf nach 18 Monaten ohne Bewegung im Hafenbecken ein wahres Wunder! Als wir dagegen nach 5 Monaten in Neuseeland aus dem Wasser kamen, war die Muschelschicht sicher 5-10 cm dick.

Die SHE SAN im Travel Lift der Rebak Marina
Die SHE SAN im Travel Lift der Rebak Marina
Der Belag ist überraschend wenig, das CHugoku Antifouling scheint gut zu wirken
Der Belag ist überraschend wenig, das CHugoku Antifouling scheint gut zu wirken

Die ein oder andere Überraschung blüht uns dann doch noch. Als wir die Ruder zur Inspektion runterlassen, stellen wir fest, dass die in Neuseeland ersetzten Ruderlager in sich aufgrund von Elektrolyse (und 18 Monaten nicht bewegen) verhockt sind und ausgebaut werden müssen. Dazu kommt der Travellift noch am gleichen Tag nochmal vorbei und hebt und nochmal kurz an, in 10 Minuten sind die Ruder draussen.

Der Grund für die Elektrolyse zwischen der Lagerschale aus Aluminium, den Kunststofflagern und der Edelstahlwelle ist vermutlich das verwendete Marine Grease, welches nämlich Kupfer enthält… Nach dem Wiedereinbau (zum Glück haben wir noch Ersatzlager an Bord) verwendet Reto diesmal anstatt dem Marine Grease das Winschenfett auf Calziumbasis, welches vor Oxidation und Korrosion schützen soll.

Pause im Boatyard - wegen den dreckigen Fingern gibts ein Sandwich aus der Serviette...
Pause im Boatyard – wegen den dreckigen Fingern gibts ein Sandwich aus der Serviette…

Der nächste Schock kommt, als ich die Rollfockschot waschen möchte und dabei bemerke, dass der Furler nicht mehr dreht. Die Kugellager hatten wir schon mal in Neuseeland ersetzt, doch hat sich in der Zwischenzeit der Kunststoff des Dichtungsringes verabschiedet und die Kugellager sind wieder verhockt. Da es das zweite Mal ist, hat Reto die Lager in wenigen Stunden ausgebaut, die Teile bekommen wir in zwei Anläufen in der Stadt, da es zum Glück Standardteile sind…

Endlich raus an den Ankerplatz

So langsam geht es vorwärts. Nach einer weiteren Woche sind die Segel montiert, das Dingy startklar, das Schiff grösstenteils entrümpelt. Wir testen Motoren und Segel und verlegen uns nach Telaga an unseren Lockdown Ankerplatz. Es fühlt sich schon fast wie „Heimkommen“ an, der Wind pfeift durch das Schiff, die Moskitos sind weg, die SHE SAN wackelt leicht in den Wellen und im Schwel der Motorboote…

Wenn es so weiter geht, sind wir bald parat für den Indischen Ozean, auch wenn uns das Herz blutet, Südostasien zu verlassen und den Heimweg anzutreten…

Vorhergehender Beitrag:

Nachfolgender Beitrag:

Teile uns auf:

8 Gedanken zu „Wieder zurück auf dem Schiff nach 18 Monaten“

  1. Liebe Angela, lieber Reto,
    Ich freue mich sehr für euch dass ihr euren Reisetraum endlich fortsetzen könnt!
    Von nun an hoffentlich mit demselben Freiheitsgefühl, das ihr zu Beginn eures Abenteuers erleben durftet.
    Wünsche euch viele weitere schöne Erlebnisse und natürlich immer die Handbreit…
    Herzliche Grüsse, Christian

    Antworten
    • Lieber Christian, vielen Dank für Deine Wünsche. Unser Reisetraum hätte uns eigentlich eher über Südafrika nach Europa geführt, aber wir sind schon dankbar, dass wir da sind und das Schiff nicht viele Schäden genommen hat, der Rest wird sich dann schon ergeben… Viele liebe Grüsse Angela und Reto

      Antworten
  2. Ihr Lieben,

    bin jetzt sehr froh, von euch zu hören!
    Ihr schafft das! Und in Gedanken stosse ich mit euch in See!

    Alles Gute, ich freue mich auf weitere Berichte

    herzlich Grüss Eva aus Valzeina

    Antworten
    • Liebe Eva, vielen Dank für Deinen Kommentar! Wie Du siehst, ist dann plötzlich alles ganz schnell gegangen, wir hatten alle Hände voll zu tun, unser Häuschen ordentlich in die Obhut unserer Nachbarn zu übergeben. Hebend Sorg und alles Guate! Angela und Reto

      Antworten
  3. Schön, dass freut mich für euch. Also wieder zurück im Element der Weite und „Freiheit“. Wünsche euch viel Glück und gute Gesundheit. Grüsse aus Jenaz, Christian

    Antworten
    • Lieber Christian, nach 3 Wochen Boatyard und Marina fühlt sich die Freiheit der Ankerbucht sensationell an, doch wir haben keine Zeit zum vertrödeln, der Wind erinnert uns, dass wir endlich fertig werden und lossegeln sollten… 🙂 Liebe Grüsse Angela und Reto

      Antworten

Schreibe einen Kommentar